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In den Schuhen des anderen gehen – Im Rahmen der angebotenen Vortragsreihe „Treffpunkt Pflege“ hatte die Caritas Sozialstation St. Laurentius zum Thema „Umgang mit Demenzerkrankten“ eingeladen.

Martina Heinrich, Leiterin der Selbsthilfegruppe „Vergiss mein nicht“, Schönau, konnte den zahlreich erschienenen Zuhörern aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung einen breit gefächerten Einblick und zahlreiche Tipps für den Umgang mit Demenz-Patienten geben. Nachdem der überwiegende Teil der an Demenz erkrankten Menschen an Alzheimer leiden, derzeit sind es in Deutschland etwa 1,3 Millionen, Tendenz steigend,  legte die Referentin ihren Schwerpunkt auf diesen Krankheitstyp. Sie verglich die Situation im Gehirn des Patienten mit einem gigantischen Telefonsystem, bei welchem nach und nach Leitungen gekappt werden. Teile des Netzes sind unterbrochen, fallen aus. So geht es einem Alzheimerpatienten mit seinen Gehirnzellen. Sie fallen aus und können nicht mehr arbeiten. Medikamente, um die Krankheit zu heilen, gibt es bisher nicht.

Heinrich beleuchtete die drei Phasen der Demenz, die sich unter anderem von anfänglicher Vergesslichkeit und Orientierungsschwierigkeiten über Wortfindungsstörungen, Vernachlässigung der Hygiene bis hin in die Phase drei der schweren Demenz mit Bettlägerigkeit und dem nicht mehr Erkennen der Angehörigen aufbauen.

Sehr detailliert ging die Referentin auf den Umgang und die Kommunikation mit dem Patienten ein. Anhand von Beispielen verdeutlichte sie die Notwendigkeit von klarer und deutlicher Sprache mit dem Kranken. Fragen sollten so gestellt werden, dass dieser entweder mit ja oder mit nein antworten kann. Die Aussagen sollten positiv sein, damit sie möglichst wenig Widerstand, dafür aber vielleicht Begeisterung hervorrufen. Korrigieren hingegen sollte man einen Alzheimerpatienten nicht: „Ist es schlimm, wenn jemand behauptet, heute ist Sonntag, obwohl Donnerstag ist?“ Solche sinnlose Auseinandersetzungen wegen des Wochentages oder ähnlichen Aussagen, die der Patient nicht besser weiß, kosten unnötig Kraft und frustrieren alle Beteiligten. Auch das Bloßstellen des Kranken sollte man vermeiden, wenn er aufgrund der fortgeschrittenen Demenz mit manchen Dingen nicht mehr oder nicht mehr richtig umgehen kann.

Sehr wichtig sind eine geregelte Tagesstruktur und Orientierungspunkte von früher, die weiterhelfen können. Dazu muss man sich mit der Biografie befassen. In der Regel wird zuerst das Kurzzeitgedächtnis geschädigt, das Langzeitgedächtnis funktioniert noch. Anhand der Biografie kann man über Beruf, Hobby und Familie gute Ansatzpunkte für eine Beschäftigung oder ein Hobby finden. Das können die Mithilfe im Haushalt, aber auch Spiele und das gemeinsame Betrachten von Fotos und Postkarten sein. Der Patient ist zufrieden und fühlt sich wertvoll. Probleme kann es geben, wenn der Patient behauptet, er sei bestohlen worden.  Hier sollte man sich nicht rechtfertigen, sondern sich in die Situation des Menschen versetzen. Die hierfür entwickelte Methode der Validation besteht darin, die noch vorhandenen Ressourcen der Hirnleistung zu nutzen und die Aussagen und Gefühle des Kranken ernst zu nehmen. Das heißt, das Gefühl für gültig zu erklären, ohne es zu analysieren oder zu bewerten. „Ziel der Validation ist es, einen Zugang zur Erlebniswelt des desorientierten Menschen zu finden und mit Wertschätzung und Empathie dessen Wahrnehmungen und den daraus folgenden Reaktionen zu begegnen, um so einen möglichst hohen Grad an Lebensqualität zu erhalten“, betonte die Referentin.

In Phase 2 der Krankheit kommt es wegen der immer schwieriger werdenden Wortfindungsstörungen zu Problemen bei längeren Gesprächen immer mehr in Richtung nonverbale Kommunikation. In der dritten Phase dann ist die verbale Kommunikation nur noch eingeschränkt möglich. Mit erzählen und vorsingen kann man ein Lächeln erreichen. Der Umgang mit dem Kranken besteht aus Körperkontakten (streicheln), vorsingen, vorbeten, und viel körperlicher Pflege.

Martina Heinrich findet es auch sehr wichtig, dass die Angehörigen immer wieder eine Auszeit bekommen, kümmern sie sich doch 24 Stunden um ihren Demenzpatienten. Angebote, wie Tagesentlastungspflege, aber auch professionale Hilfe sollten angenommen werden, bevor man selbst ausgebrannt sind. Vor allem sollte man sich als Familie mit einem Alzheimerpatienten nicht einigeln und vereinsamen.

Auch von den Anwesenden kamen abschließend sowohl wertvolle Hinweise, aber auch Fragen zum Thema.

Alois Heinisch, erster Vorsitzender der Sozialstation, dankte für die guten praktischen Beispiele und gab den Gästen die indianische Weisheit von Martina Heinrich: „In den Schuhen (Mokassins) des anderen gehen, damit ich diesen kennenlerne“, mit auf den Weg.

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