Zwei Inderinnen bringen Zukunftsperspektive

Nein – frostige Temperaturen sind nichts für sie. Frieren mögen sie ganz und gar nicht. Aber die ersten Schneeflocken, Schneebälle und Schneemänner sind einfach toll gewesen. Erstmals haben die beiden Inderinnen Ann Maria Joseph und Sneha Philo Joseph den Winter in Deutschland erlebt. Überhaupt ist so vieles neu hier, seitdem sie vor einem halben Jahr hierher gekommen sind, um sich in der Caritas – Sozialstation St. Laurentius in Bad Neustadt zu Pflegefachfrauen ausbilden zu lassen. Die herzliche, offene, freundliche und sympathische Art der beiden 18 jährigen kommt bei den Menschen, die ihnen begegnen, gut an. Auch an diesem Nachmittag, an dem sie den Führungskräften in der Sozialstation gegenübersitzen und über sich und ihre bisherigen Erfahrungen berichten. Bernhard Rösch, der Vorsitzende der Sozialstation, ist sehr dankbar, dass die indischen Azubis dazu beitragen, den Notstand bei der Nachwuchsgewinnung zu verringern. „Das gibt der Pflege hier eine echte Zukunftsperspektive !“, freut er sich mit Pflegedienstleiter Bruno Kleinhenz und dessen künftigen Nachfolger Alexej Weber. Viel Lob erhält auch die gute Zusammenarbeit mit ihren Kolleginnen und Kollegen, die ihnen beim Einleben hier und in den Beruf helfend zur Seite stehen. Dabei war es gar nicht so einfach, die beiden aus Indien nach Deutschland zu holen. Hier sind Vorsitzender und Pflegedienstleitung Herrn Pfarrer Johnson Tottahill aus Mühlbach sehr dankbar, über den der Kontakt zustande kam und der die Hauptorganisationsarbeit übernommen hatte. Um für die beiden Inderinnen eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, mussten so unter anderem ausreichende Deutschkenntnisse, eine Wohnung sowie der Ausbildungsvertrag nachgewiesen werden. Einen Tag vor Beginn der schulischen Ausbildung erst waren Ann Maria und Sneha Philo auf dem Frankfurter Flughafen angekommen. „Am Anfang hatten wir schon ein wenig Angst vor dem Unbekannten und dem Ungewissen, was uns hier wohl erwartet. Aber dann hat das Glück, hier sein zu dürfen, doch überwogen!“, gesteht Ann Maria in sehr gutem Deutsch. Ann Maria kommt kommen aus einem kleinen Dorf namens Karnataka Dörfern im südindischen Bundesstaat und Sneha Philo kommt aus Kerala. Sie haben sich erst in Deutschland kennengelernt. Beide sind auf die Ausbildungsmöglichkeiten hier von Verwandten aufmerksam gemacht worden. Sneha Philo wohnt bei ihrer Tante, die in Bad Neustadt arbeitet, während Ann Maria nun im Herschfelder Pfarrhaus zuhause ist. Fast täglich sind sie mit ihren Angehörigen zuhause dank Instagram und Handy in Kontakt. Während Sneha Philo gerne singt, liebt es Ann Maria zu tanzen. Pop und indische Folklore sind ihre Favoriten. Gerne gehen die beiden auch spazieren. Warum sie sich für die Pflegeausbildung entschieden haben? „Ich wollte schon immer mit Pflege und Medizin zu tun haben!“, bekennt Ann Maria. Die vergleichsweise gute Bezahlung von Pflegefachkräften und Azubis war für sie kein Beweggrund. Sechs bis acht Monate Sprachschule in Indien liegen hinter ihnen. Der Besuch musste aus eigener Tasche bezahlt werden. Vier Prüfungsmodule kosteten zusätzlich noch einmal umgerechnet jeweils 100 Euro. Nur am Anfang hatten die beiden jungen Damen hier in Deutschland Probleme, dem Unterricht in der Berufsfachschule zu folgen. Da sie dort viel lernen müssen, macht es ihnen weitaus mehr Spaß mit den Schwestern der Sozialstation zu den Patienten unterwegs zu sein und aktiv mit anzupacken. „Alle – Patienten wie die Schwestern – sind sehr nett zu uns. Die vielen Fachbegriffe, die man sich merken muss, und die vielen Papiere, die ausgefüllt werden müssen, sind aber völlig ungewohnt für uns“, räumen sie ein. Nach ihrer Ausbildung wollen sie in der Sozialstation weiterhin tätig sein, „weil hier alle so nett“ und nicht, wie sie aus Gesprächen mit anderen Azubis erfahren haben, „viele so gestresst sind“. Vom Punschwald zu Advent und Weihnachten in Bad Neustadt haben sie ebenso wenig wie vom Fasching im Landkreis mitbekommen. Überhaupt fehlt es ihnen bislang noch an deutschen Freunden. „Unsere Mitschülerinnen sind entweder viel jünger oder wesentlich älter als wir!“, so einer der Gründe dafür. Aber zur indischen Gemeinschaft in Mühlbach haben sie natürlich viele Kontakte. Was ihnen gar nicht hier gefällt – außer der Kälte im Winter? Nur einen Kritikpunkt gibt es für Sneha Philo: „Das deutsche Essen ist nicht so gut. Es müsste viel schärfer sein!“, was ein Schmunzeln bei ihren Gegenübern hervorruft. Spätestens im Urlaub werden sie wieder Reis, Hühnchen, Fleisch und Gemüse scharf gewürzt genießen. Denn dann geht es für einige Tage zurück in die indische Heimat. Der deutsche Winter ist dann weit weg, dessen Kälte schon ein wenig für Heimweh gesorgt hat.

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Nach sechs Monaten haben sich Sneha Philo Joseph (vorne links) und Ann Maria Joseph schon ganz gut eingelebt. Die Arbeit als Azubis in der Sozialstation St. Laurentius macht ihnen viel Spaß. Hinten von links der künftige Pflegedienstleiter Alexej Weber, der Vorsitzende der Sozialstation, Bernhard Rösch und Pflegedienstleiter Bruno Kleinhenz.